Zunächst
einmal verursacht ein Hofladen Kosten, wobei durchaus pro Qm
Ladenfläche 1000 Euro Investitionskosten veranschlagt werden
können. Wer das nicht akzeptieren mag, braucht ab hier nicht
weiterlesen, aber eine ansprechende Ausstattung hat nun einmal ihren
Preis und das passende Ambiente verbunden mit einer technisch
einwandfreien Ausstattung ist Voraussetzung für das Gelingen
des Projektes „Hofladen“.
Hinzu kommen die Kosten für den laufenden
Unterhalt, wie Strom, Wasser, Wartungsarbeiten Reinigung,
Finanzierungskosten usw. Diese Kosten sollten vorher genau berechnet
werden und es empfiehlt sich dann noch einmal ein Sicherheitsaufschlag
von 10%. Damit sind Sie voraussichtlich auf der sicheren Seite. Nachdem
jetzt die Kosten bekannt sind und der Blutdruck bei einigen Lesern
möglicherweise deutlich angestiegen ist, sollten einige
Gedanken zur Lage des Hofladens erfolgen.
Die Lage
Was nützt Ihnen der schönste Hofladen, wenn er für Ihre Kundschaft nicht erreichbar ist? Die Praxis zeigt, dass der optimierte Standort nicht weiter als 1 bis 2 Kilometer von der nächsten Gemeinde entfernt sein sollte. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, insbesondere bei Produktspezialisten, doch sollte man diese Faustregel grundsätzlich beherzigen. Eindeutige Aussagen zu der Standortfrage können letztlich nur Standortanalysen treffen. Hierbei werden Standortkriterien wie Lage, Verkehrsfrequenz, Parkplatzsituation, Einwohnerzahlen, Kaufkraft, soziale Struktur der Bevölkerung, Größe des Hofladens u.a. entsprechend gewichtet und erlauben so eine Aussage zur Vorteilhaftigkeit des Standortes.
Auch
können Überlegungen einfließen, ob nicht
etwa eine Erzeugergemeinschaft gemeinsam ihre Produkte über einen
Hofladen vertreibt. Hierbei bekäme der Hofladen
mit der besten Lage den Vorzug, die verbliebenen Hofläden
wären zu schließen. Es entstünden
Synergieeffekte durch eine Sortimentsbereicherung sowie durch
eingesparte Kosten der nunmehr geschlossenen Hofläden. Intern
ist zwischen den beteiligten Landwirten die Kostenübernahme zu
klären. Hilfreich bei diesen Fragen sind Berechnungsmodelle,
die
individuell abzustimmen sind und die Kostenstruktur sowie die
voraussichtlichen Erträge berücksichtigen.
Die wohl brisanteste Frage bei der Errichtung eines Hofladens ist die Finanzierung. Da an dieser Stelle schon mancher Traum geplatzt ist kann nur zur Vorsicht geraten werden. Es empfiehlt sich auf jeden Fall einen Berater hinzuzuziehen, der die individuelle Situation der Hofladenbetreiber analysiert.
Dabei
ist zu berücksichtigen, dass ein Hofladen nach einer meist
zähen Anlaufphase oft erst nach bis zu 2 Jahren Fahrt aufnimmt
und Erträge erwirtschaftet. Dabei spielen produkt- und
sortimentsabhängige Faktoren eine Rolle, aber auch begleitende
Werbemaßnahmen oder eben die Lage des Hofladens. Sinnvoll ist
es oftmals zunächst mit einem kleinen Sortiment zu beginnen um
es später entsprechend der steigenden Kundennachfrage zu
erweitern. In jedem Falle sind diese Faktoren ursächlich
für den Finanzierungsbedarf und mit Unsicherheit behaftet. Wer
hier keinen langen Atem aufweist, bzw. nicht in der Lage ist
ausreichend Eigenmittel aufzubringen, sollte das Vorhaben an dieser
Stelle kritisch überdenken. Kreditinstitute sind bei der
Vergabe von Fremdmittel für Hofläden häufig
sehr zurückhaltend und verlangen ausreichende Sicherheiten,
die auch vorhanden sein müssen. Auf jeden Fall empfiehlt sich
eine Fremdfinanzierung keinesfalls von mehr als 50 %.
Auch sollten gerade in der Anlaufphase eines Hofladens
langfristige Lieferverträge vermieden werden, deren
Nichteinhaltung unter Umständen Schadenersatzforderungen der
Lieferanten wegen Nichtabnahme von Waren nach sich ziehen
könnten.
Neben der Kostensituation entscheidet die Ertragsprognose wesentlich über den wirtschaftlichen Erfolg des Hofladens. Dabei sind Faktoren wie das Produktsortiment, die Preisgestaltung, die Produktqualität, die Mitarbeiter und die Kundenbindung von entscheidender Bedeutung. Vergessen Sie bitte nicht, dass Sie als Hofladenbetreiber i.d.R. ein Nischenanbieter sind und insofern besser sein müssen als Ihre Konkurrenz, um wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Nachfolgend werden die wesentlichen, auf die Ertragsprognose einflussnehmenden Kriterien erläutert:
Im
Vorteil sind Hofladenbetreiber, die
einen hohen Anteil ihres Sortiments selbst produzieren, da eine
Einflussnahme auf die Produktionskosten möglich ist und die
Fremdhandelsmarge entfällt. Zusätzlich ist es
erstrebenswert, das Produktsortiment zunächst mit Produkten
aus der Region zu erweitern. Dabei sind oft faire Preise erzielbar und
die Lieferbedingungen frei aushandelbar. Sollte ein Hofladen
über eine Erzeugergemeinschaft betrieben werden stellt sich
zudem die Frage, wie die einzelnen Mitglieder ihre eigene Produktion
aufeinander abstimmen und optimieren, um den Hofladen mit
möglichst vielen Eigenprodukten bestücken zu
können.
Der Kunde erwartet beim Besuchs eines Hofladens, dass er dort
mindestens 50% der von ihm gewünschten Produkte vorfindet.
Entsprechend ist das Produktsortiment durch Fremdprodukte zu
ergänzen. Zu vermeiden sind dabei unbedingt langfristige
Abnahmeverpflichtungen, da diese die Flexibilität bei der
Sortimentsumgestaltung einschränken können.
Der
Kunde erwartet, wenn er einen Hofladen betritt, ausschließlich
frische Produkte und für vergleichbar frische Produkte auch
einen besseren Preis als bei anderen Anbietern. Dafür
weiß der Kunde aber auch, dass er gleichbleibende
Qualität kaufen kann und er weiß, woher seine
Lebensmittel stammen. Neben der preislichen Kennzeichnung sollte daher
bei jedem Produkt nach Möglichkeit ersichtlich sein, woher das
Produkt stammt. Dieses Ursprungszeugnis kann
aus Kundensicht im Einzelfall sogar einen höheren Preis
rechtfertigen.
Zur
Erhöhung der Kundenbindung ist gerade in der Anlaufphase eines
Hofladens darauf zu achten, dass die Preise unter dem Niveau liegen,
dass später erzielt werden soll. Als erfolgreich erwiesen
haben sich Sonderangebote in allen Produktbereichen oder auch
Aktionstage. Begleitet werden sollten diese Maßnahmen durch
Werbung in den Printmedien, Internetpräsenzen oder
Aushänge am Hofladen.
Zu
beachten ist auch, dass die Preisgestaltung wie auch die
Sortimentsgestaltung entscheidend von der Kaufkraft und der
Altersstruktur der Kunden im Umfeld
des Hofladens abhängt.
Der
Kunde verzeiht vielleicht einmalig eine schlechte
Produktqualität aber nicht im Widerholungsfall. Insofern ist
darf es erst gar nicht soweit kommen. Regelmäßige
Geruchs- und Qualitätskontrollen der Produkte sind
unabdingbar, damit das Image eines Hofladens nicht verloren geht. Vertragliche
Vereinbarungen mit Fremdlieferanten sollten daher die anstandslose
Rücknahme von Produkten mit Qualitätsmängeln
berücksichtigen.